Die Projektseite der Schützen vom Schloss

Das Mittelalter ist ein breites Feld und es gibt viele verschiedene Meinungen. Wir möchten nicht den Anspruch erheben hier die ultimative Wahrheit zu schreiben, oder alleinig Recht zu haben. Was wir hier versuchen möchten ist es für unsere Gruppe, unseren Verein, eine Hilfe zu bieten bei der Auswahl an Kleidung, Ausrüstung, usw., aber auch für alle die es annehmen möchten ebenfalls als Leitfaden für unsere gewählte Darstellungszeit zu dienen - wohlgemerkt als "Leitfaden".

Wir versuchen alle unsere Funde und Aussagen mit Quellen zu belegen, aber natürlich ist das nicht für alles ganz einfach. Konstruktive Anregungen werden sehr gerne entgegen genommen.

Wer sind wir und was wollen wir?

Wir sind ein Verein, der als e.V. seit Dezember 2008, vorher bereits seit 2003 aktiv ist. Nähere Infos dazu finden sich auf unserer Internetseite Die Schützen vom Schloss e.V..

Nach reiflicher Überlegung haben wir uns auf den Zeitraum 1360-1440 gewählt, den wir mit unserer Gruppe darstellen möchten.

Wer hier mitarbeitet möge noch folgendes beachten: keine copyright geschützten Bilder und Inhalte einfügen, im Zweifelsfall erstmal fragen, ob man das Bild verwenden darf und dann Quellen und Urheber angeben. Wir wollen keinen Ärger mit irgend jemanden. Wer sich geärgert fühlt bitte erst einmal freundlich darauf hinweisen, denn wir wollen niemandem etwas Böses oder gar jemandem mit Absicht ärgern.

Danksagung

Paavo und Urs haben sich bereits sehr viel damit beschäftigt unseren ersten Kitguide zusammen zu tragen und Lob und Ehre, wem beides gebührt. Somit haben wir auch einen guten Start das Wiki mit sinnvollen Inhalten zu füttern.

Kitguide für die Zeit etwa 1360-1440 (Stand 6.9.2009)

Anmerkungen zum Gebrauch:

Dieser Kitguide soll keine Eigeninitiative hemmen oder zu irgendwas Speziellem verpflichten („Vereinsuniform“, grusel…), sondern nach bestem Wissen und Gewissen helfen, Frust und Fehlinvestitionen zu vermeiden auf dem Weg zu einer ganz eigenen, individuellen Gewandung, die lange Spass macht. „Basis“ meint hier nicht Starterkit oder Minimalvorraussetzung, sondern eher „Rundumsorglospaket“ ohne spezielle Spirenzchen! Dieser Guide ist genau das, ein „Guide“, keine Einkaufsliste mit Fälligkeitsdatum „dann und dann“!

Der Weg ist das Ziel…omm, in die Mitte hinein….

Lieber langsam eins nach dem anderen, und dafür jedes g'scheit.

Weniger ist mehr.

Fragliches lieber weglassen und lieber keine „Dauerprovisorien“ reinflicken. Einfach mal ohne gehen, später dazumachen und solange die Vorfreude genießen.

Im Zweifel schlichte, feine, klare Linien, Materialien, Farben und Formen.

Ein stimmiges Ambiente verstärkt die Wirkung der Einzelteile.

Gedanken zur Ausrüstungsrichtlinie

Grundsätzlich gilt:

  • Der Meinungen Zahl ist Legion! Zum Teil werden die gleichen überflüssigen Debatten schon seit Jahrzehnten geführt. Vor allem manche Foren sind ein gutes Beispiel dafür. Diese Dinger geben oft viel Gutes her, aber der Umgang damit ist sehr mühsam….Wirklich belastbare Information kommt oft nur als Spurenelement vor..
  • Wir wissen besonders viel nicht! War halt keiner dabei. Was sich lohnt, ist ab und an zu überlegen, was von unserem Alltag in 200 Jahren noch bekannt ist. 3,5“-Disketten? Kraftstoffilter? Tamagotchis? Wieviele Menschen werden in Gummistiefel und Friesennerz beerdigt?
  • Generell, wie erwähnt, ist man mit einfachen Leuten als Darstellung m. E. besser dran. Erstens, weil zumindest bis in jüngste Zeit alle immer "Ritter" werden wollten und die Märkte überproportional voll von adeligen bis hochadeligen Herrschaften in Samt, Seide und Vollplatte waren und sind. Was fürs Ambiente fehlt sind also i.m.h.o. zweitens qualitätsvolle einfache Leute. Drittens blieben viele Dinge in den unteren Schichten länger in Mode, bzw. einzelne Stücke länger in Gebrauch. Da grundsätzlich schlichter, kommt man also auch mit 75%iger Darstellung noch besser weg. Der Schritt von "in Ordnung" zu "Oberklasse" sind dann halt allerdings die kleinen Details, die nicht nur zeit- sondern eben auch regionaltypisch waren und die, mangels Funden und Darstellungen, zum Teil echt übel schwierig zu recherchieren sind…
  • Immer wieder wird empfohlen, was ich verstehen kann, anstelle "ins Blaue" zu rekonstruieren, damit anzufangen, dass man sich grade für die erste Darstellung ZUERST ein konkretes Ziel sucht, dieses zunächst schlicht aufzieht und dann ausbessert/erweitert/abändert/Alternativen bastelt. Das spart einen Haufen Frust und Geld. Am sichersten fährt man, wenn man sich aus einer entsprechend datierten Abbildung einen Typen raussucht und sagt: "Den mach ich!" Wenn dann irgendein 186%iger Wichtig- GNI-Fuzzie fragt, hat man auch sofort die Antwort parat…
  • Ins Museum gehen bringt immer mehr als Stammtischgesülze
  • Glücklicherweise steigt in den letzten Jahren auch im "teutonischen Grobmittelalter" langsam und stetig die historische Stimmigkeit. Das erhöht zwar teilweise den Aufwand, aber m. E. auch ganz mächtig den Spaß.

Egal, was man wann darstellt, man muss immer davon ausgehen, dass das ästhetische Empfinden damals ein anderes, in sich passendes war, als wir es aus unserem Alltag gewohnt sind. An manches muss man sich gewöhnen, das geht sogar recht schnell, wenn man merkt, dass es funktioniert.In manche Kröte/sauren Apfel muss man dann halt beissen…da hilft nix! ( z.B. Nesteln, Zaddelkragen etc…)
DAS MITTELALTER HAT EIN ANDERES ÄSTHETISCHES EMPFINDEN ALS DIE POSTPOSTMODERNE!

Immer gegentesten bei:
http://www.imareal.oeaw.ac.at/realonline
http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/digi/palatina-digital.html
http://collections.vam.ac.uk/
http://www.marquise.de/de/1500/
http://www.ufg.uni-tuebingen.de/index.php?id=187 (NEU)
o.ä.

Da ich mit meinen persönlichen Recherchen zu meiner Darstellung noch lange nicht auch nur annähernd "fertig" bin, und das wohl auch bis zur Rente nicht werde, liegt mir nichts ferner als bei unserem derzeitigen Diskussionsstand hier irgendwelche Richtschnüre, Vorgaben, Wahrheiten oder sonstwas zu verbreiten, sondern die Anregungen zu bieten, die mir vorliegen.Insgesamt würde ich mich persönlich sehr über eine Gruppe freuen, die einen inhaltlichen Anspruch verfolgt, der über johlendes Hörnerschwenken hinausgeht, und der auch in der Darstellung seinen Niederschlag findet, der aber dann doch in einem Rahmen stattfindet, der locker und weit gefasst genug ist, um nicht spassfrei zu werden. ( siehe meine Ausführungen unten). Wie auch immer wir uns zusammenfinden werden, eher zeitlich oder eher lokal oder eher thematisch gebündelt, ich freue mich auf den Weg vom Entschluss zur Umsetzung.viele Grüße, Paavo

…nun zum eigentlichen Kitguide:

Allgemeine Gedanken zu unseren Darstellungsmöglichkeiten:

  • Geschlossenes, uniformiertes Auftreten ( Wappenröcke!) als stehender, militärischer Verband reiner Bogenschützen so gut wie unmöglich im süddeutschen MA, daher kaum machbar Forschung läuft….
  • einzig: Bürgeraufgebot einer Stadt ( Bsp: Schwäbischer Städtebund/Großer Städtekrieg 1448-1454). Dann aber immer im Verband mit Stangenwaffen ( Zu einer "Gleve" à 5 Mann gehörten 1-2 Schützen, der Rest Infantrie (z.B. 1Reisiger zu Pferd mit Page, 3 Spießer)1.
  • Die Zunftordnung von Frankfurt schreibt 1382 vor für jeden über 30 Gulden Vermögen und Handwerker über 50 Gulden Vermögen: Panzer, Helm, Beinschienen, eine Lanze von guter Qualität. Bei geringerem Vermögen Rüstung nach Maßgabe der Rottmeister. Versäumnis wird mit einer halben Mark geahndet (4 Taler, 10-12 Gulden, fast 120g Silber. Echt viel Geld!). Schützen erwähnt niemand.
  • Mit dem Programm Marktstand/Turnier/Schießbahn sind wir eher im bürgerlichen und zivilen Bereich Jagd/Freizeit verankert. (2) Hier finden wir vielleicht eine größere Vielfalt netter Möglichkeiten als im militärischen, der uns als Gruppe sehr einschränken würde.

Vorschlag Zeitfenster 1360-1440: Schicke, aber noch einfache Kleidung, viele Abbildungen, sehr dynamische Zeit, auch in der Mode, entsprechend großer Spielraum, Entwicklung der Städte und Zünfte, Aufkommen des Bürgertums
mögliche Darstellungskontexte: englischer Kriegsbogner, Jäger/Wildhüter, bäuerlicherer Wilderer/in, höfische Sportschützen/Jagdgesellschaft, bewehrte Trossmagd, angegliedertes Handwerk (bowyer, fletcher), Bürgeraufgebot ( evtl. in Personalunion mit Handwerker, Männlein und Weiblein!)

Zivil:

Je früher, desto einfach. Sowohl vom Stil, als auch in der Herstellung/Anschaffung. Ebenso je niedriger der Stand, desto einfach. (D.h., in Material und Ausführung (Futter, Verzierungen), die Qualität war wohl in aller Regel auch bei einfachen Stücken mindestens sehr ordentlich, darauf achteten die Zünfte!)

  • Für Später: Diffizilere Ausrüstung: Militärisches (s.u.), Festtagsklamotten.

Militärisch

Würde ich erstmal noch nix extra kaufen, sondern wenn die zivile Seite stimmt. Das Zeug ist teuer, selten gut und schnell unpassend. Im Großen und Ganzen extrem von der jeweiligen Darstellung abhängig, klar. Speziell für das große Feld " Bogenschützen":

  • Uniform:
    • Aufgenähte Wappen und Abzeichen wohl ab dem 13. Jhdt. Gängig, auch bei Zivilisten! * Gut und historisch so korrekt wie aktuell praktisch: Jeder näht/ stickt sich den reihernden Geier auf den Gugelrand/ Kittel. Abzeichen, die die Herkunft und/oder Zugehörigkeit angeben, waren allgemein üblich. Aktuell lassen sich dadurch auch unser Wiedererkennungswert steigern und am Stand/ auf dem Markt die Veranstalter/Verantwortlichen/ Betreuer von Gästen unterscheiden.
    • Zur Uniform gab es schon frühe Ansätze: Der I. Prince of Wals musste haufenweise grünen und weißen Stoff besorgen für die von ihm angeforderten Schützen. Oft wurden Dienstmänner auch mit Stoff in den Wappenfarben ihres Herrn entlohnt.
    • Wappenröcke kamen seit dem 12. Jhdt. generell vor, über die Jahrhunderte zunehmend kürzer und farbiger. Diese wohl weniger Poncho oder "Laken mit Kopfloch", schon garnicht seitlich geschnallt ( nervt unendlich und zerkratzt die Rüstung), sonder im Nacken geschnürt wie ein Damen-Abendkleid. So geht´s auch ohne Knappe: Reinsteigen, hochziehen, Schleife ins Genick und gut. Oft mit Halbarm!

Bogenspezifisches.

Näheres zu Pfeil- und Bogenforschung.

Für Mitglieder: SvS-User und Rest ist bekannt.

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